Sylvia Stocker

Im Herzen der Pyrenäen

 

Andorra -  real und nicht nur in der Literatur / von Sylvia Stocker

 

Wer kennt den kleinen, in den Pyrenäen liegenden Staat «Andorra» wenn nicht aus der Literatur? Wir haben das «Principat» ein wenig kennenlernen können.

 

Der Einblick in den Pyrenäenstaat war möglich dank der Generalversammlung der Vereinigung der Tourismus- und Reisejournalisten «presstourism.ch», welche dieses Jahr in Andorra la Vella stattfand.

Avignon  - Stadt der Päpste

Auf dem Weg dahin fahren wir zunächst mit Bus und Auto fuhren in Richtung Avignon, wo der erste Halt mit Übernachtung angesagt war. Nach einem feinen Abendessen mit der ganzen Gruppe schlenderten wir durch die rund 93'000 Einwohner grosse Stadt, der grössten des Départements «Vaucluse» in der Region «Provence-Alpes-Côte d’Azur».

«Die Stadt der Päpste» ist von einer imposanten Stadtmauer umgeben, die den Besuchern unmittelbar ins Auge fällt. Sie ist 4km lang und darin eingebaut sind 39 Türme und 7 Haupttore. Durch die Altstadt gelangt man dann zum «Palais des Papes», welcher wie auch die Kathedrale «Notre-Dame» auf einer Anhöhe erbaut wurde. Von 1309 bis 1417 war dies die Residenz der Päpste, 1309 residierte dort (und nicht in Rom) ein französischstämmiger Papst.

Das Stadtzentrum besticht mit seinen engen Gassen und alten Bauten. Avignon hat ein reiches Kulturerbe. So zum Beispiel auch die berühmte Brücke über der Rhône, dem «Pont Saint Bénézet». Von 22 Brückenbogen, welche im 14. Jahrhundert gebaut wurden, sind bloss 4 stehen geblieben - und zwar nach der Flut im Jahre 1668. Somit endet die Brücke im Fluss.

Papstpalast sowie Brücke gehören zum Weltkulturerbe.

Leben aus der Sahara

Am andern Morgen, nach Café und Croissant, machten wir noch eine Shoppingtour durch die Einkaufsmeile und über den Markt. Mit einem frischen Baguette ging es gegen Mittag weiter Richtung Andorra. Einen Zwischenhalt gab es in «Le Crès», in der Nähe von Montpellier im Département «Hérault». Die Gruppe der Journalisten war uns voraus und mit dem Bus bereits vor Ort und mit der Besichtigung des «Musée Saharien» und dem Mittagessen «durch», als wir mit dem Auto dazu stiessen.

Freundlicherweise gab man uns noch eine verkürzte Führung durch das Museum.  Dieses wurde im Jahre 2014 eröffnet von Bernard Adel, einem wahren Fan der Sahara. Seine reiche Sammlung lässt einen die Kultur und Lebensweise der Menschen, welche in der Wüste leben erfahren und verstehen, sein das in Marokko, Algerien, Niger, Libyen oder Mauretanien. Die Bilder (auch eine Fotoausstellung im Untergeschoss von unserem von uns gegangenen Mitglied Maximilien Bruggmann) sind zu bewundern wie auch Ledertaschen, Uniformen, Flaggen, Waffen, Berberschmuck, nachgestellte Kamele und Holzwagen. Und mit viel Herzblut wird uns von den Betreibern des Museums viel über Völkerkunde, Geschichte und Archäologie erzählt. Über den Inhalt jeder Vitrine wird leidenschaftlich berichtet. Vor Ort kauften wir noch Fotobücher und DVD’s, deren Erlös dem Museum zugute kommt. Ein Besuch ist wirklich empfehlenswert.

Gegen Abend erreichen wir nun nach einer im Nebel anstrengenden Fahrt von Perpignan nach Bourg Madame an der spanischen Grenze die Hochtäler der Pyrenäen. Weiter ging es auf schneebedeckte Pässe, die auch 2400 hoch über Meer  liegen, beim Einbruch der Dunkelheit Andorra la Vella und werden von unserem Freund und ehemaligen Vorstands Mitglied Detlev Doll sehnsüchtig erwartet.

Andorra – vielseitiges «Principat»

Das in den östlichen Pyrenäen gelegene Andorra la Vella ist mit rund 23'000 Einwohnern die grösste Stadt Andorras und mit 1’011m die zugleich höchstgelegene Hauptstadt Europas.

Andorra  hat eine gute touristische Infrastruktur, vor allem für den Wintersport, denn das Skigebiet liegt nur 100 Meter über der Stadt.

Ebenso bekannt  ist der Ort als Finanzplatz; so besuchen viele Tagestouristen die Stadt, in welcher auf Konsumartikel und Benzin keine Zölle erhoben werden, um in den zahllosen Boutiquen, Parfümerien, Bijouterien und Malls, wie im «Grans Magatzems Pyrénées», einzukaufen, dem grössten Shoppingcenter der Stadt auf mehreren Etagen. Die Stadt wird regelrecht überflutet mit Bussen voll besetzt mit Kaufwütigen, am Wochenende bilden sich kilometerlange Autokonvois vor der Grenze (auch von Frankreich her, eine endlose Schlange, welche wir bei der Rückfahrt selbst bestaunen konnten).

Auch wir haben eine Shoppingtour durch die Stadt unternommen. Markenartikel (Kleider, Schuhe) und Parfums kosten in etwa die Hälfte wie in der Schweiz.

Entgegen den modernen Bauwerken in der Stadt fällt das etwas höher gelegene Casa de la Vall, das kleinste Parlament Europas, Regierungssitz und Gerichtsgebäude, bemerkenswert auf, denn es besteht aus Bruchsteinen, erbaut im 16. Jahrhundert. Gleich in der Nähe ist die Kirche Sant Esteve eine Sehenswürdigkeit. Rundherum hat es Ständchen mit Salben und Seifen aus den Bergen und selbst hergestelltem Kräuterlikör, einer Spezialität Andorras.

Auf der Aussichtsplattform neben dem Parlament hat man übrigens einen wunderschönen Ausblick über die ganze Stadt und die Pyrenäen.

Beliebte Fotomotive bilden die Skulptur «La Noblesse du Temps» von Salvador Dali, im Hintergrund die Brücke «Puente de Paris» sowie das Einkammerparlament, das Consell General de les Valls (Gebäude und der Platz mit Skulpturen leuchten nachts in verschiedenen Farben).

Auch für Wellness-Fans ist man in Andorra la Vella gerüstet. Der riesige Spa-Komplex Caldea, einer der grössten in Europa, bietet alles um Ruhe und Erholung zu finden.

Er wird von Thermalquellen gespiesen. Am ersten Abend durften wir sogar dort ein erstklassiges Abendessen geniessen. Am zweiten Abend assen wir im Restaurant Borda Estevet. Es herrschte eine angenehme Atmosphäre mit nettem Personal. Gegrilltes, rauchiges Fleisch und Würste auf Stein, das war etwas für Fleischliebhaber; es gab zum Glück noch Kartoffelkroketten mit Pilzen und Käseplatten….

Einladung zur Wiederkunft

Die 5 Sterne Hotels Holiday Inn (und Plaza, in welchen wir logieren durften, waren wirklich vom Feinsten (und wir würden jederzeit darauf zurückkommen). Andorra la Vella ist eine abwechslungsreiche Alternative, um ein paar erholsame Tage zu verbringen.

 Sylvia Stocker

Sylvia Stocker – Redaktion Schweiz. Hochschulzeitung Vision


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